Was macht Berlin attraktiv für

Karrierestarter,

Frau Schreiner?

IHK Geschäftsführerin Manja Schreiner über dringende Aufgaben und große Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

IHK-Geschäftsführerin Manja Schreiner im Portrait vor der Projektion einer Gruppe junger fröhlicher Frauen in Aufbruchstimmung.

Manja Schreiner ist Hauptgeschäftsführerin  der Berliner IHK und öffnet Wege für die Fachkräfte von morgen.

So kommen Unternehmen und der Nachwuchs zusammen

Frau Schreiner, wie sind Sie da für Berlin?

Manja Schreiner: Man könnte sagen, dass ich leidenschaftliche Fürsprecherin der Berliner Wirtschaft bin – und damit für den Wirtschaftsstandort Berlin. Eine prosperierende Wirtschaft ist dabei kein Selbstzweck. Nur gesunde und wachsende Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, bilden aus und sorgen für Steuereinnahmen. Dafür brauchen unsere Unternehmen Luft zum Atmen. Dafür setzen wir uns als IHK ein. Wir sind die offiziellen Unterstützer der Berliner Wirtschaft.

Berlin gilt als Magnet für junge Talente. Reicht das Image noch aus, wenn Wohnraum knapp und teuer ist?

MS_: Wir stehen im harten internationalen Wettbewerb. Da reichen coole Clubs nicht aus, um Talente nach Berlin zu locken. Das Gesamtpaket muss stimmen: ausreichend Wohnraum, eine funktionierende Infrastruktur, digital und analog. Gute Schulen, Kultur – und ja, auch die Sauberkeit im öffentlichen Raum gehört zum Attraktivitätspaket dazu.

Rund 7.600 neuen Ausbildungsverträgen stehen weiterhin Tausende unbesetzter Lehrstellen gegenüber …

MS_: Das System der dualen Ausbildung hat es schwer. So machen immer mehr junge Menschen Abitur und wollen dann studieren. Und was viele außer Acht lassen: Jede Anhebung des Mindestlohns beschädigt die Attraktivität der dualen Ausbildung. Dass mittelfristig die beruflichen Perspektiven mit einer Ausbildung erheblich besser sind, lässt sich häufig nur schwer vermitteln. Wehklagen hilft allerdings nicht. Deshalb setzen wir uns als IHK Berlin u. a. für eine Modernisierung der Ausbildung ein, um dieses international bewunderte Modell der beruflichen Bildung wieder für alle Jugendlichen attraktiver zu machen.

IHK-Geschäftsführerin Manja Schreiner im Gespräch mit einer ihr gegenüberstehenden Person.

14,2%

war der Anteil ausländischer Auszubildender in Berlin im Jahr 2025 – ein Zuwachs um 2,7%

Um Talente nach Berlin zu locken, muss alles stimmen: ausreichend Wohnraum, eine funktionierende Infrastruktur, gute Schulen und eine gute Kultur.“

Manja Schreiner

Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin

Viele Unternehmen klagen über Bewerber mit unzureichender Berufseignung. Wie kann man das verbessern?

MS_: Eine der größten Herausforderungen ist die mangelnde Berufsorientierung bei den Jugendlichen. Zum Glück ist da in den letzten zwei Jahren viel passiert. Dank der engen Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Bildung haben wir einige sehr vielversprechende Kooperationsprojekte an Schulen initiiert. Wir kümmern uns beispielsweise im Projekt BOOM und beim elften Pflichtschuljahr (IBA-Praxis) darum, Unternehmen an die Schulen zu bringen und Schüler:innen Praxiserfahrungen in unseren Mitgliedsunternehmen zu ermöglichen.

Welche konkreten Initiativen oder Impulse setzt die IHK Berlin, um Unternehmen beim Thema Mitarbeiterwohnen zu unterstützen?

MS_: Wir unterstützen Unternehmen vor allem durch Orientierung und Transparenz. Gemeinsam mit Berlin Partner und dem BFW haben wir einen digitalen Leitfaden erstellt, der Modelle erklärt, Fachbegriffe einordnet und Wege aufzeigt, wie Beschäftigtenwohnen gelingt. So erleichtern wir den Einstieg ins Thema und senken Hürden – besonders für Unternehmen, die erste Schritte gehen wollen. So einen praktischen Leitfaden, in dem alle Optionen übersichtlich gebündelt sind, gab es bislang tatsächlich noch nicht.

Wie wichtig ist internationale Fachkräftegewinnung für Berlin?

MS_: Das ist ein absolut zentrales Thema von höchster Wichtigkeit. Wir steuern auf einen massiven Fachkräftemangel zu. Schon in den letzten Jahren waren es die Fachkräfte aus dem Ausland, die den Beschäftigungs- und damit Produktivitätszuwachs in Berlin getragen haben. Damit diese Menschen auch weiterhin zu uns kommen, brauchen wir eine Willkommenskultur in allen Dimensionen: schnelle Visa- und Anerkennungsverfahren, Wohnungen, eine gewisse Selbstverständlichkeit der Mehrsprachigkeit der Stadt – und nicht zu vergessen: eine angemessene Anbindung Berlins an den Rest der Welt.

Wenn Sie in fünf Jahren Bilanz ziehen: Welche Veränderung würden Sie gern sehen?

MS_: In fünf Jahren muss Berlin jungen Menschen ein stimmiges Gesamtpaket bieten: ausreichend Wohnraum, eine modernisierte Ausbildung mit guter Berufsorientierung und schnelle Wege in die Arbeit. Wenn Unternehmen Nachwuchs leicht finden, Talente bleiben können und Wohnen kein Hinderungsgrund mehr ist, dann greifen Ausbildung, Karriere und Leben ineinander.

Frau Schreiner, danke für dieses Gespräch!

Eine junge Frau in dunkelblauer Pflegerbekleidung sitzt entspannt auf einem Stuhl an einen Tisch gelehnt und lächelt in die Kamera.